Warum wurde Hanf eigentlich irgendwann verboten?
Warum ist Cannabis eigentlich verboten?
Wichtige Frage: Warum ist Cannabis eigentlich verboten? (Bildnachweis: istockphoto, nevodka)

Kaum zu glauben, aber dennoch wahr: Cannabis und Hanf waren in Deutschland bis ins 1924 legal! Was genau ist also damals passiert, dass Cannabis seitdem als illegal gilt?

So wurde Cannabis auch in Deutschland illegal

Um geschichtlich zu verstehen, warum Hanf in Deutschland illegal ist, müssen wir etwas vorweg ansetzen: im Jahre 1911 gab es in Den Haag die erste internationale Opiumkonferenz. Der Handel und Konsum von Opium war damals weltweit sehr verbreitet und war ein ernsthaftes Problem geworden. Paradoxerweise haben Länder wie Großbritannien den Opiumhandel im fernen Osten massiv unterstützt und als Haupteinnahmequelle und zur Finanzierung für jahrzentelangen Aufbau der Kolonien in Fernost genutzt. Stichwort Opiumkrieg. Hongkong wäre nicht Hongkong ohne den damals florierenden Drogenhandel und auch große Banken wäre ohne Drogenhandel nicht so groß geworden. Eine gute Dokumentation dazu gibt es auf ARTE.

Die deutschen Apotheken konnten bis dato seit 1872 Hanf legal verkaufen. Damals hatte die italienische Regierung in Den Haag einen Antrag eingebracht, der Cannabis mit anderen harten Drogen wie Opium, Kokain und Morphin gleichstellen und damit in die Illegalität stellen sollte. Dieser Antrag wurde aber von den anderen Konferenzteilnehmern fast einstimmig abgelehnt. Er stellt aber den ersten Versuch in der Geschichte dar, Cannabis zu verbieten.

Fast 13 Jahre später auf der Genfer Opiumkonferenz im Jahr 1924 hat dann die ägyptische Regierung abermals den Antrag auf Cannabisverbot eingebracht, der dann auf breitere Zustimmung gestoßen war und weltweit diskutiert wurde. Damals gab es aber ebenfalls keine Expertenanhörung und die deutsche Delegation lehnte den Antrag abermals “mangels technischem und wirtschaftlichem Interesse” ab. Dennoch wurde das Cannabisverbot in Genf letztendlich beschlossen. In Deutschland wurde es dann aber tatsächlich erst 4 Jahre später, vor allem auf Druck der Pharmaindustrie, wirklich rechtswirksam umgesetzt. Am 10. 12.1929 hat der deutsche Reichstag das neue Opiumgesetz verabschiedet, das nun auch alle Cannabis- und Hanfprodukte umfasste. Mit einer Ausnahme: Cannabis auf Rezept war weiterhin legal und in den Apotheken erhältlich. Leider ist auch dieses Recht dann kurz nach dem zweiten Weltkrieg verschwunden.

Cannabis und die Pharmaindustrie

Wie so oft hat sich die Pharmaindustrie schon damals in die Bildung neuer Gesetze eingemischt und vermutlich massiv Lobbyarbeit betrieben. Angesichts der vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von Cannabis bei Patienten erscheint das auch heute noch durchaus nachvollziehbar und logisch, dass eine ganze Branche für das Verbot einsetzt, um möglichen Umsatzeinbußen und Verdrängung (z.B. bei Schmerzmitteln) entgegen zu wirken.

Dann wurde es erstmal recht still und mit Beginn der 68er-Revolution ist der Ruf nach einer Legalisierung wieder lauter geworden. Bis dahin war Cannabis nicht wirklich erlaubt, aber im Prinzip geduldet. Erst 1971 hat der deutsche Bundestag das Opiumgesetz neu verabschiedet und Cannabis völlig verboten. 1982 ist dann schließlich die letzte große Änderung in Kraft getreten, die auch den Anbau von Nutzhanf dem BtMG unterstellt und strikt verbietet.

Erst in den 90ern kam dann wieder etwas Bewegung in das Thema Nutzhanf: so durften ab 1996 akkreditierte Bauern wieder Faserhanf anbauen, sofern der THC-Gehalt unter 0,3% liegt. Und seit 2005 ist ein signifikanter Zuwachs der Anbauflächen für Nutzhanf zu erkennen.

Das weltweit wachsende Engagement und der damit wachsende politische Druck führten dazu, dass man sich auf europäischer Ebene mit Hanfanbau beschäftigte. 1989 verfügte die europäische Kommission in der Verordnung Nr. 1164/89, dass der Anbau von Hanf, der in der Anlage benannten 25 Sorten, von den Mitgliedsstaaten legalisiert werden muss. Die genannten Sorten sind so genannter “Faserhanf” mit einem Wirkstoffgehalt von unter 0,3 Prozent. Geschickt gelang es damit einen Keil in die bis dahin geschlossene Legalisierungsfront zu treiben. Seither wird versucht “legalen” Nutzhanf und “illegalen” Rauschhanf zu trennen und die Nutzer gegeneinander auszuspielen. (Quelle/Zitat: hanfverband.de)

Hanf und Cannabis ist aber leider nach wie vor eine sehr zwiespältige Thematik, denn auf der einen Seite stehen tausende von sinnvollen und ressourcen-schonenden industriellen Anwendungsmöglichkeiten sowie hervorragende medizinische Anwendungsszenarien, auf der anderen Seite ist Cannabis (mit entsprechender THC-Konzentration) aber auch ein beliebtes Rauschmittel. Und genau diese Tatsache hindert den Vormarsch! Aktuell gehen Schätzungen davon aus, dass es bereits über 50.000 industrielle Anwendungsmöglichkeiten für Hanf in der Industrie gibt. Und auch in der Medizin wird Cannabis bereits sehr erfolgreich gegen Schmerzen und viele andere Krankheiten erfolgreich eingesetzt.

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